
Der Revolutionsplatz in Bukarest: Ein Ort der Geschichte und des Wandels
Der Revolutionsplatz (rumänisch: **Piața Revoluției**) ist ein zentraler Platz in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, gelegen an der berühmten Calea Victoriei. Bis 1989 war er unter dem Namen "Piața Palatului" (Palastplatz) bekannt, benannt nach dem königlichen Palast, der heute das Nationale Kunstmuseum Rumäniens beherbergt. Doch seine wahre, weltweite Berühmtheit erlangte der Platz durch die dramatischen Ereignisse im Dezember 1989.
Historische Bedeutung: Höhepunkt und Ende eines Regimes
Am **21. August 1968** erreichte Ceaușescus Popularität ihren Zenit, als er auf dem damaligen Palastplatz in einer scharf formulierten Rede den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei verurteilte. Diese mutige Haltung brachte ihm international Anerkennung und stärkte seine Position im eigenen Land.
Exakt 21 Jahre später, am **21. Dezember 1989**, wurde derselbe Platz zum Schauplatz seines Niedergangs. Ceaușescu hielt seine letzte öffentliche Rede vom Balkon des damaligen Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Rumäniens. Was als inszenierte Kundgebung der Unterstützung beginnen sollte, verwandelte sich in einen Tumult, als die Menge begann, zu buhen und zu pfeifen. Dieses Ereignis markierte den Beginn der rumänischen Revolution, die zum Sturz des kommunistischen Regimes führte. Nur einen Tag später, am 22. Dezember 1989, flohen Ceaușescu und seine Frau per Helikopter vom Dach desselben Gebäudes und wurden wenige Tage später hingerichtet.
Wahrzeichen und Denkmäler am Revolutionsplatz
Der Revolutionsplatz ist umgeben von mehreren architektonisch und historisch bedeutsamen Gebäuden und Denkmälern, die die vielschichtige Geschichte Rumäniens – von der Monarchie über den Kommunismus bis zur Demokratie – widerspiegeln:
- **Das ehemalige königliche Schloss (heute Nationalmuseum für Kunst Rumäniens):** Ein imposantes Gebäude, das einst die königliche Familie beherbergte und heute eine beeindruckende Sammlung rumänischer und europäischer Kunst beherbergt.
- **Das Rumänische Athenäum:** Ein neoklassizistischer Konzertsaal und eines der Wahrzeichen Bukarests, bekannt für seine prächtige Architektur und seine kulturelle Bedeutung. Es ist ein Zentrum für Musik und Kultur.
- **Das Gebäude des ehemaligen Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Rumäniens:** Von dessen Balkon Ceaușescu seine letzte Rede hielt. Seit 2006 beherbergt es das rumänische Innenministerium. Die Spuren der Revolution, wie Einschusslöcher, sind an einigen Gebäuden in der Nähe noch immer sichtbar.
- **Die Kretzulescu-Kirche:** Eine kleine, elegante orthodoxe Kirche aus dem 18. Jahrhundert, die nur wenige Schritte vom Platz entfernt liegt und für ihre byzantinischen Fresken bekannt ist.
- **Die Universitätsbibliothek Bukarest:** Ein prächtiges Gebäude, das von dem französischen Architekten Paul Gottereau entworfen und 1893 fertiggestellt wurde. Es wurde während der Revolution von 1989 stark beschädigt, aber wiederaufgebaut.
- **Die Statue von König Karl I.:** Eine 2010 enthüllte Reiterstatue, die an den ersten König Rumäniens erinnert. Die ursprüngliche Statue von Ivan Meštrović wurde 1948 von den Kommunisten zerstört.
- **Das "Denkmal der Wiedergeburt" (Memorialul Renașterii):** Ein 25 Meter hoher weißer Marmorobelisk mit einer dunklen Metallkrone an der Spitze, eingeweiht am 1. August 2005. Dieses umstrittene Denkmal wurde zu Ehren der Opfer der rumänischen Revolution von 1989 errichtet, die beim Sturz des Kommunismus ihr Leben ließen. Obwohl es in der Bevölkerung oft spöttisch als "die Kartoffel am Spieß" oder "die Olive am Zahnstocher" bezeichnet wird, erinnert es an den Kampf für Freiheit und Demokratie.
Ein Ort der Reflexion und des Besuchs
Der Revolutionsplatz ist kein Ort, den man nur wegen seiner ästhetischen Schönheit besucht, sondern wegen seiner immensen historischen Bedeutung. Er ist ein Muss für jeden, der die komplexe Geschichte und den Wandel Bukarests verstehen möchte. Ein Spaziergang über den Platz bietet die Möglichkeit zur Reflexion über die Ereignisse, die Rumänien geprägt haben, und die Opfer, die für Freiheit und Demokratie gebracht wurden. Er verbindet königliche, kommunistische und demokratische Geschichte und schafft ein Gefühl der Kontinuität zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart Rumäniens.