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Reiseführer Bukarest

 

Es gibt ein Bukarest -1-

Eine Stadt der Kontraste und Widersprüche, ein Ort in der Mitte einer scheinbar unendlichen Ebene, Bukarest vereinigt in seinem Inneren mehrere Städte die ein separates Leben führen. Alte Paläste die uns an vergangene Zeiten erinnern, schlummern in der Nähe von Stahl- und Glasgebäuden. Parks mit uralten Bäumen ziehen sich von den überfüllten Straßen zurück und die alten Gasthäuser empfangen immer noch ihre Kunden ohne den modernen Glanz der 5 Sterne Restaurants zu beachten...

Laut der Legende wurde diese Stadt vor mehreren Jahrhunderten von einem Hirten, Bucur genannt, gegründet. Eine ältere Geschichte jedoch erzählt über den Mythos des getischen Königs Dromichaites und über die “Freudenstadt (bucurie)”, die er auf dem Platz der heutigen Stadt errichtet hatte.

 
Die Historiker, nachsichtig gegen die romantische Legende, haben bewiesen, dass die heutige Hauptstadt Rumäniens schon während des Mittleren Paläolithikums und des Neolithikums bewohnt war. Beweise kommen infolge der geographischen Lage, die den Durchgang der Personen und Güter begünstigte. Spuren der Getisch – Dakischen Wohnungen aus der 1800 – 800 v. Chr. Zeitspanne und der Dakisch - Römischen Siedlungen, die in den III-X. Jahrhunderten errichtet wurden sind bis heute bewahrt.
Im Mittelalter ist die Geschichte der Stadt von der Persönlichkeit des Herrschers Vlad Tepes gekennzeichnet. Dieser hat die Residenz der walachischen Fürsten von Târgoviste nach Bukarest versetzt. Er war auch derjenige, der am 20. September 1459 die historische Urkunde, darstellend die Erwähnung der Siedlung Bukarest, ausgestellt hat. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, während der Herrschaft von Gheorghe Ghica, wird Bukarest die Hauptstadt der Walachei – eines der drei rumänischen Fürstentümer der Zeit.

Im Jahre 1859, nach der Vereinigung der Moldau mit der Walachei, wandelt der Herrscher Alexandru Ioan Cuza die Hauptstadt Bukarest in zwei vereinigte Fürstentümer um. 1862 wird Bukarest die Hauptstadt Rumäniens genannt.

 

Gleichzeitig können wir über ein Kulturleben der Stadt reden. Im Jahre 1694 wird in Bukarest die Fürstliche Akademie Sfântu Sava, eine der wichtigsten Oberschulen Osteuropas gegründet. Das bringt auch die endgültige Öffnung der Stadt Bukarest gegenüber Kultur – Kunst und Wissenschaft. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der Bau der Paläste und Kulturgebäude, in dem örtliche Elemente und westliche architektonische Einflüsse wunderbar verbunden sind. Im Jahre 1854 wird der Cismigiu Garten eröffnet und der Deutsche Ferdinand Lassalle schreibt, dass dieser “Alles, was Deutschland zeigen kann, überbietet”.

Im Jahre 1866 wird die Akademische Gesellschaft gegründet, 1869 findet die Eröffnung der Bukarester Universität statt (anfänglich beherbergte dieses Gebäude auch andere Institutionen: den Senat, die Rumänische Akademie, die Zentralbibliothek, Die Schule für Schöne Künste...) und im Jahre 1888 wird das Rumänische Atheneum eröffnet. Mit einem 1.000 Zuschauer Konzertsaal wird das Gebäude bald eine symbolische Anwesenheit der Stadt.

 
Im Medienbereich kam es zu einer späteren aber konstanten und bedeutenden Entwicklung im osteuropäischen Zusammenhang. Im Jahre 1884 wird die “Universul” Zeitung, die erste große rumänische Tageszeitung, herausgegeben. 1928 beginnt der Rundfunksender seine regelmäßigen Sendungen,die erst auf Mittel-und später auch auf Kurzwellen empfangen werden konnten. .

In derselben Zeit werden auch die ersten Museen in Bukarest gestiftet– das Museum der Naturgeschichte “Grigore Antipa” (1908), das Nationale Militärmuseum (1914), das Dorfmuseum (1936) – eines der berühmtesten Museen im Bereich der Ethnographie weltweit. Das Museum der Rumänischen Literatur (1957), mit zahlreichen Manuskripten, Dokumenten, Photos und Gedenkgegenständen stellt die wichtigsten Ereignisse in der rumänischen Literatur dar.

 

Im Jahre 1950 wird in der Nähe von Bukarest das erste Filmstudio im Südosten Europas gegründet – “Buftea” genannt. Am Silvesterabend des 31. Dezembers 1956 findet auch die erste Fernsehsendung – in schwarzweiß – statt. 1964 wurde das “Animafilmstudio” gegründet.

Nach 1989, infolge des Umsturzes der kommunistischen Regierung begann ein wildes Leben. Die Unsicherheit, die Angst vor dem Unbekannten und die Hoffnungen, die ungestüme Initiative und der Misserfolg, das Talent und die Illusionen Westeuropas stellen das verwirrende Bild der Hauptstadt Bukarest dar.

Heute ist Bukarest die größte Stadt Rumäniens mit einer Oberfläche von 228 km2. Zentrum der Politik, der Verwaltung und des Handels, mit einer Bevölkerung von 2.016.000 Einwohnern. Hier ist auch 14% der Arbeitskraft des Landes konzentriert.